2010

Architektur mit Tempo und Genuss

Das Leben sei hektisch? Es muss entschleunigt werden?

Eigentlich warte ich nur. Im Stau, auf den Anruf meiner Frau, auf die Steuer-Rückerstattung. Diese scheinbare Ruhe ist aber nur eine andere Form von Höchstgeschwindigkeit. Stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis das allgemeine Welttempo zu unserer eigenen, individuellen Geschwindigkeit in der gebauten Umwelt und damit zur Architektur steht.

Ich erinnere mich, wie ich im Juni dieses Jahres mit Archi- tektenkollegen, nach einem Tag mit Architektur- Programm satt, unter anderem diese Frage erörterte. Doch wo waren wir?

alpitecture code 2-10

Der Name alpitecture steht für Architekturverständnis, Archi- tekturqualität sowie dem handwerklichen Umgang vom Entwurf bis hin zum fertigen Gebäude moderner, zeitgenössischer Architektur. Unter anderem beschäftigt sich alpitecture speziell mit den Themen des Baues in den Alpen in der autonomen Provinz Bozen Südtirol. alpitecture verbindet Architekten und Unternehmen. Hierzu wurden Architekten aus Europa gezielt eingeladen. Welche Rolle nimmt die moderne Architektur in Südtirol ein und mit welchen Ressentiments kämpfen die Menschen dort? Was können Kollegen aus der internationalen Architekturszene beitragen, damit die Architektur und Baukultur des Landes immer einen Schritt voraus ist? Dies waren die konkreten Fragen, welche die 37 Architektinnen und Architekten als Experten aus 7 Nationen an den heißesten Tagen im Monat Juni 2010 in Südtirol beschäftigten.

In Südtirol sind in den letzten 10 Jahren viele Gebäude erreichtet worden, die durch einen neue Formensprache angenehm auffallen. Die Bauwerke wurden in der internationalen Fachpresse publiziert. Mehrfach. In kurzer Folge. Schloss Sigmundskron mit dem Messner Mountain Museum zum Beispiel, erbaut 2005 unter Architekt Werner Tscholl. Es zeichnet sich durch eine zurückhaltende und reversible Architektur aus, die den Museumsbetrieb überhaupt erst ermöglicht. Oder die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage aus dem Jahr 2007 von Modus Architects in Brixen. Die Reihe der engagierten Südtiroler Architekten lässt sich mit Walter Angones, Höller & Klotzner Architekten, Matteo Thun, Werner Tscholl, arch.TV, Abram & Schnabel etc. lange fortsetzen.

Die geladenen internationalen Architekten wurden in Basisvorträgen über die Baukultur in Südtirol informiert. Der Wissenstand erweiterte sich über die bekannten Südtiroler Attribute Obst, Speck, Wein und Dolomiten hinaus. Während einer Exkursion zu qualitätsvoller Architektur der letzten Jahre wurde es dann sehr konkret. Von der Idee die Bedürfnisse der Nutzer an dem Standort zu realisieren zeugte jedes besuchte Bauwerk bis in die technischen Details des architektonischen Anspruchs. Der Wissensdurst der Teilnehmer nach innovativer Kompetenz wurde direkt in den Partnerunternehmen gestillt.

„Gewerbezonen und Industriegebiete“ lautete der Titel eines Workshops. Erst wenn Natur als Ressource erkannt und in den Planungskontext einbezogen wird, kann ein verträgliches Bauvolumen entstehen. Statt Industriegebiete wuchernd ausgreifen zu lassen eröffnen sich in Südtirol Entwicklungsmöglichkeiten im Zusammenspiel aller Kräfte. Zu einem ähnlich Ergebnis kamen die Teilnehmer, die sich mit „Zersiedelung von Dorfstrukturen und Naturräumen“ in Südtirol beschäftigten. Ein „Viles“ (Dorf/Weiler), für ladinische Täler typische kompakte Siedlungsstruktur, wurde zum Ausgangspunkt der Analyse. Weg von Einzelgebäuden, hin zu integrativen Planung lautete das Fazit des Workshops „Integrative Architektur und Energiesysteme“. Das Industriegebiet Bozen Süd kann durch eine Nutzungsmischung aus Arbeiten, Wohnen und Freizeit aufgewertet werden.

Südtiroler Architekten und Architekturinteressierte waren eingeladen Astrid Piber, Partnerin bei UNStudio über „UNStudio Design Modell: Schlüsselfunktionen in der Architektur“ zu hören und im Anschluss bei der Podiumsdiskussion mit den internationalen Kollegen zu diskutieren.

In der Geschichte von Südtirol liegt die permanente Bereitschaft der Bevölkerung sich mit Herausforderungen auf die Zukunft vorzubereiten. Hier liegen die Stärken des kleinen Landes mit reichen Traditionen, dessen Unternehmen sich für einen internationalen Wettbewerb vorbereiten und durch Know-How überzeugen.

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Exkursion-Bei den Partnerunternehmen

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Napura Hotel

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Begruessung der Teilnehmer

Veranstalter: